Minimalismus im Van ist immer so lange lustig, bis man sich die Rübe an der Ecke des Hängeschranks stößt oder die provisorische Küche auseinanderfällt. Max Löber vom Hamburger Unternehmen VanMe ist Experte im Umbau von Kastenwagen und hat gerade das Möbelkonzept The Streamline entwickelt. Er findet, dass Van Life nicht nur selbstgezimmertes Hippietum sein muss. „Bei uns vereint sich Funktion mit Design“, erklärt er den Grundgedanken. „Wir finden, Campen darf auch sexy sein.“
Es ist eine Sache der Philosophie: Einen Van selbst ausbauen – oder ausbauen lassen? Für die einen geht es nicht ohne persönlichen Schweiß, für die anderen sind Handwerk und Technik so kompliziert oder die Freizeit so knapp, dass sie zu fremder Hilfe greifen. VanMe ist kein Komplettservice. Das Unternehmen ist der Innenarchitekt. Den Rohbau – das Fahrzeug – muss der Kunde mitbringen. „Wir bauen markenungebunden Kleintransporter in Bulligröße, Geländewagen oder Kastenwagen im Ducato- und Sprinter-Format aus“, erklärt Max Löber. Einen Favoriten unter den Vans scheint das Unternehmen aber zu haben: Volkswagen Transporter Kastenwagen.
The Streamline: neue Möbel-Serie bei VanMe
An dessen Beispiel stellt VanMe nun auch sein neustes Innendesign vor. The Streamline. „Ob Dachkante oder Möbelzeile, das Resultat ist oft ein blauer Fleck“, summiert Max Löber die leidliche Kollision von Körperteilen mit Einrichtungsgegenständen auf kleinstem Raum. Es ist halt kein Penthaus über den Dächern Münchens. The Streamline bietet die Chance, je nach Wunsch bis zu sechs Kanten eines Möbelstücks abrunden zu lassen. Beim Betrachten des Designs stelle ich mir sofort eine Tapete aus den Siebzigerjahren vor – mit großen gelb-orangen Kreisen auf braunem Grund, die auf die Augen immer ein bisschen wie Halluzinogene wirken. Doch das Design von VanMe ist nicht bloß retroschick.
Die Aufteilung im Muster-Van ist klassisch. Es gibt eine Schlafsitzbank für zwei und eine kleine Möbelzeile mit Stauraum und Küche. Die Möbel sind mit Echt-Holz überzogen. Es gibt sogar die Wahl zwischen verschiedenen Farben und Arten – zum Beispiel Eiche, Bambus oder Nussbaum. Die Anrichte besteht aus robustem HPL, ein Schichtstoff-Laminat, das man von seiner Küchenarbeitsplatte im Haus kennt.
Ausstattung mit Küche und Schlafplatz
Bei The Streamline bietet VanMe in der Küchenzeile einen einflammigen Kocher. Das heißt klassisch-kreatives Zubereiten wie beim Zelten, sobald zeitgleich zum Hauptgang auch die Beilage warm sein soll. Weiterhin gibt es ein Geschirrfach, ein Mini-Waschbecken und einen 25-Liter Abwasser- und 25-Liter Frischwassertank. Außerdem lassen sich von hier aus die Standheizung und Solaranlage steuern. Eine versenkbare Dreiersteckdose sorgt für genügend Sprit auf Smartphone und Laptop.
Auch für die Fahrt, bei der gern mal das Interieur durch die Gegend fliegt, hat VanMe mit The Streamline ein paar Ideen: Die Lichtleiste über dem Küchenblock ist zugleich magnetisch und kommt mit ebenfalls magnetischen Bechern daher. Die Geschirrschublade ist mit Filz ausgekleidet, damit es nicht dauernd so klingt, als wäre man mit rasselnden Blechdosen auf dem Weg zur Hochzeit. Gummis an den Möbelfronten sollen verhindern, dass die Kleidung herausfällt. Große Staufächer befinden sich am Heck, worauf ihr durch den Kofferraum Zugriff habt.
Der Schlafplatz ist variabel. Die Schlaf-Sitzbank hat konturierte Sitzpolster und lässt sich zu einer geraden Liegefläche zusammenbauen. Entweder könnt ihr die Sitzbank fest verankern oder auf Schienen anbringen lassen, sodass sie verschiebbar bleibt. Alles ist natürlich TÜV-geprüft. Da kann der deutsche Van-Umbauer nachts gut schlafen. Einen Tisch gibt es im Beispiel-Modell nicht. Aber ihr könnt einen Klapptisch oder Yachttisch hinzubestellen, wenn euch das Essen auf der Sitzbank nicht schmeckt. Könnte aber auch an der kalten Beilage liegen. Für Wintercamper ist das Fahrzeug mit einem 20 Millimeter starken Xtrem Isolator ausgestattet. An Board sind eine Standheizung und eine Aufbaubatterie mit 100 Amperestunden. Das gesamte Design der Fahrzeuge ist inspiriert von den zwischen 1950 und 1967 gebauten Volkswagen T1. Da ist sie wieder – die Vorliebe von VanMe für Bullis. Viele ihrer Vans foliert das Team um Max Löber in der unteren Hälfte farbig. Die Reifen bekommen Weißwandringe und kultige Alufelgen. Doch der letzte Wunsch ist immer der des Kunden – hat er andere Vorstellungen, werden diese individuell umgesetzt.
How to: Wie der Umbau bei VanMe abläuft
Wie läuft der Prozess also ab? Ihr kommt mit eurem neu erstandenen Van zu Max Löbers Büro in Hamburg bei Bergedorf. Ruft am besten vorher an oder schreibt eine Mail. Als Erstes wird das Fahrzeug von einer Partnerwerkstatt geprüft, um mögliche Mängel zu beheben. Dann baut das Team Fenster, Isolierung und Innenverkleidung ein. Außerdem gibt es für jedes Fahrzeug eine Solaranlage. Eine Tischlerei fertigt die Möbel an – zum Beispiel die neue Serie The Streamline – und bespricht mit euch die Anordnung im Bus.
Natürlich hat so ein Rundum-Paket auch seinen Preis. Der Umbau des Vorführ-Modells hat mal eben 41.000 Euro gekostet . ohne Fahrzeug. Das führt zurück zur philosophischen Eingangsfrage: Selbstausbau oder ausbauen lassen? Nicht nur ein Faktor von handwerklichem Geschick und Zeit, sondern auch von Budget.
VanMe fing 2017 mit dem Umbau von gebrauchten Volkswagen T5 und T6 an. „Alles begann im sonnigen Perth in Australien“, erinnert sich Max Löber. „Da habe ich einen Mitsubishi Starwagon gekauft und modifiziert. Eine Leidenschaft war geweckt. Freiheit und Lifestyle wurden auf meiner Reise durch den Kontinent immer wichtiger.“ So wichtig, dass er heute erfolgreich Fahrzeuge für andere umbaut. Funktional, vintage und auch ein bisschen sexy.
Fotos (c): VanMe

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